Christine de Pizan über Dante

Ich lese gerade Franziska Meiers Buch über die Wirkungsgeschichte von Dantes Komödie: Besuch in der Hölle.

Die Rezeption Dantes in Frankreich beginne mit Christine de Pizan, die als gebürtige Italienerin Dante im Original lesen konnte. Sie lobte Dante als die bessere Alternative zu den frauenfeindlichen französischen Klassikern wie dem Roman de la Rose von Jean de Meung. Dieser Vergleich habe der Rezeption Dantes in Frankreich aber eher geschadet:

Unfreiwillig scheint sie damit der Ansicht vieler Franzosen bekräftigt zu haben, dass dieser Dante aus Florenz ein Epigone gewesen sei, der schamlos französische Vorbilder geplündert habe. Niemand hielt es danach mehr für nötig, sich die wegweisenden Neuerungen anzuschauen, die Dante in den allegorischen Roman gebracht hatte. (Franziska Meier, Besuch in der Hölle, S. 123)

Ich frage mich, ob diese kontraproduktive Wirkung des Lobs, das Christine de Pizan Dante zuteil werden ließ, nicht auch zwei andere Gründe hatte: Die Bemerkung, Dante sei besser als die französischen Klassiker, dürfte den Stolz der Franzosen auf ihre eigene Kultur verletzt haben. Der Hinweis, dass Dante weniger frauenfeindlich sei, wird wahrscheinlich auch eher abschreckend als positiv gewirkt haben.

Mich hat dieser kurze Absatz neugierig auf Christen de Pizan gemacht. Ich habe mir gleich erst einmal Le trésor de la cité des dames heruntergeladen und werde sehen, wie ich mit dem Mittelfranzösisch zurecht komme.

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