Sandra Maischberger hält ein Wachstum von 1,5 % für ein „Wirtschaftswachstum, das sich gewaschen hat“. Das ist nicht der einzige Grund, warum ich den Eindruck habe, die Moderatorinnen und Moderatoren des TV-Duells leben in einer anderen Welt.

Inzwischen bereue ich schon fast, mir das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz nicht gleich am Sonntagabend angesehen zu haben – nicht so sehr wegen der Antworten der beiden Duellanden, sondern wegen der Fragen der Moderatorinnen und Moderatoren. Inzwischen habe ich doch noch einmal hineingeschaut – immer schön Stück für Stück, damit ich nicht den Verstand verliere.

Verschiedene Berichte über das TV-Duell beklagen, dass die Moderatorinnen und Moderatoren eine rechtspopulistische Agenda in das Duell getragen haben, aus „Angst vor dem Mob“ stellten sie „Fragen von rechts“.

Georg Dietz weist bei Spiegel Online darauf hin, dass die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzen, in der Welt der Moderatorinnen und Moderatoren nicht vorkommen:

Diese Offenheit, diese Hoffnungsposition aber spielte in der Fernsehdiskussion, die fast alle anderen relevanten Zukunftsfragen ausblendete, von Bildung und Gerechtigkeit über Digitalisierung und Klimawandel bis zu einer Welt ohne Arbeit, keine Rolle. Es war eine Angstdiskussion, geführt mit einem Abschottungsvokabular.

Wolfgang Michal schreibt im Freitag

Das Stichwort „soziale Gerechtigkeit“ fiel erst um 21:13 Uhr. Da waren zwei Drittel des Kanzlerduells schon vorbei. Sandra Maischberger wandte sich Martin Schulz zu: „Deutschland boomt“, sagte sie, „es gibt ein Wirtschaftswachstum, das sich gewaschen hat …, und doch sagen Sie, es geht ein tiefer Riss durch unsere Gesellschaft. Leben Sie vielleicht in einem anderen Land, mit anderen Nachbarn?“

Ich konnte erst gar nicht glauben, dass sie so gefragt hat. Aber sie hat es wirklich so gesagt. Dann habe ich mich vergewissert, wie hoch denn das Wirtschaftswachstum tatsächlich ist. Das Statistische Bundesamt prognostiziert für 2017 ein Wachstum von 1,5 % (die letzten drei Jahre war es kaum höher). Ein solch niedriges Wachstum hätte man vor gar nicht allzu langer Zeit als Zeichen einer Stagnation gesehen. Es liegt auch unter dem aktuell prognostizierten Wachstum der Eurozone. Wie dem auch sei: Eine Moderatorin, die ein Wachstum von 1,5 % als „Wirtschaftswachstum, das sich gewaschen hat“ bezeichnet, lebt für mich tatsächlich „in einem anderen Land“, wenn nicht sogar in einer anderen Welt.

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Ein Bericht aus den heutigen Tagesthemen macht das ganze Ausmaß der Korruption in unserer Gesellschaft deutlich.

Ausgerechnet die Commerzbank, die noch vor wenigen Jahren mit Steuergeldern vor dem Bankrott gerettet und teilverstaatlicht wurde, nutzt die so genannte Divdenden-Arbitrage zur Steuervermeidung. Anscheinend ist unklar, ob dieser Trick, die Zahlung von Kapitalertragssteuer zu vermeiden, noch legal ist. Entscheidend ist aber, dass die Bundesregierung als Großaktionär der Commerzbank von diesen Geschäften gewusst haben müsste. Das Finanzministerium gibt dazu keinen Kommentar.

Offensichtlich ist die Steuervermeidung durch Banken und andere Großkonzerne aus Sicht der Regierung kein Versehen, nicht das Resultat bislang noch nicht erkannter Steuerlücken, sondern gewollt.

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Als Tagesevangelium wurde heute, am ersten Fastensonntag, die Versuchung Jesu durch den Teufel nach Lk 4,1–13 gelesen. Wie würde der Teufel uns heute versuchen? Jacques Brel hat in seinem Lied Le diable eine sehr klare Antwort darauf gegeben:

Terror, marktkonforme Demokratie, Austeritätspolitik – das Lied klingt, als wäre es genau für unsere Zeit geschrieben. Aber es ist über 60 Jahre alt. Ist dem Teufel seither nichts Neues eingefallen? Anscheinend ist der Teufel gar nicht so phantasievoll, wie ihm immer nachgesagt wird.

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