“Ways to Gain From Global Pain”

Verfasst von Meneteqel am 6. September 2011 - 20:00

“A Private Note to Hedge-Fund Clients Gives a Strategist’s View; Ways to Gain From Global Pain” – so lautet der Untertitel eines Artikels im Wall Street Journal, auf den die NachDenkSeiten aufmerksam machen. Darin fassen die beiden Autorinnen Susan Pulliam und Liz Rappaport einen Bericht der Strategie-Abteilung von Goldman Sachs zusammen, der Hedge-Funds erklärt, wie sie aus der Finanzkrise in Europa Gewinn ziehen können.

Finanzmarktkrise und Wirtschaftswissenschaften

Verfasst von Meneteqel am 10. Juli 2011 - 19:00

Heute morgen habe ich einen Kommentar im Standard gelesen. Der Autor Christian Fleck beschwert sich über die Desinformation zur Griechenland-Krise in den Medien. Die meisten Stellungnahmen kommen von Experten aus der Finanzbranche, die ihre eigenen Interessen verfolgen und deshalb verdächtig sind. Wirtschaftswissenschaftler, die eine neutrale Position vertreten könnten, melden sich kaum zu Wort. Die einzige Information, die ihm glaubwürdig erscheint, ist der Artikel in der NZZ mit dem Titel Rettung von Banken als wahres Ziel.

Das Schweigen der Wirtschaftswissenschaftler könnte mit dem Versagen der Wirtschaftswissensschaften zusammenhängen, das der Artikel kritisiert, den ich heute Mittag im Zug gelesen habe: The Financial Crisis and the Systemic Failure of Academic Economics.

„Es ist eine Idiotie zu denken, Wahlen werden in der Mitte gewonnen“

Verfasst von Meneteqel am 30. Mai 2011 - 23:15

Am letzen Montag war ich bei einem Vortrag von Chantal Mouffe im Deutsch-Amerikanischen Institut Nürnberg. Ihre Hauptthese war, dass die Demokratie einen Wettstreit, einen αγών zwischen verschiedenen Ideen und politischen Lagern darstellt. Der Fehler der Linken in Europa sei es, dass sie diesem Agon aus dem Weg geht und statt dessen versucht, die Wahlen „in der Mitte“ zu gewinnen.

Die Kommunalwahlen in Italien sind ein hervorragender Beleg dafür. Die Niederlage des rechtspopulistischen Parteienbündnisses um Berlusconi ist sehr viel heftiger ausgefallen, als ich es mir in meinen kühnsten Hypothesen erträumt habe. Der Überblick auf der Internetseite der Repubblica macht es deutlich: Das Mitte-Links-Bündnis hat die Stichwahlen fast überall gewonnen – auch in Städten, die als Hochburgen des Rechtsbündnisses galten, wie Cagliari, Novara oder eben Mailand.

Europa leidet an einer Bankenkrise, nicht an zu hohen Löhnen

Verfasst von Meneteqel am 11. März 2011 - 18:59

Sony Kapoor, ehemaliger Investmentbanker von Lehman Brothers, inzwischen Direktor der Brüsseler Denkfabrik ReDefine, kritisiert auf der Internetplattform EUobserver und in seinem Blog die Vorschläge unserer Bundeskanzlerin für einen europäischen »Wettbewerbspakt«:

As I remember it, excessive and badly designed compensation structures in the financial sector were major factors in the financial crisis. Having failed to address that (bonus levels are back to pre-crisis levels), our dear leaders are focusing on squeezing workers’ wages instead. 

Die Demokratiebewegung im Nahen Osten und die Arroganz deutscher »Experten«

Verfasst von Meneteqel am 21. Februar 2011 - 23:01

Während sich die Meldungen aus Libyen, Bahrain und anderen arabischen Ländern überschlagen, fällt mir ein Interview mit dem Berliner Politologen Wolfgang Merkel wieder ein, das vor genau einer Woche auf der Internetseite der Tagesschau erschienen ist.

Der Weg Ägyptens zur Demokratie ist weit. Zumal die Bedingungen für einen demokratischen Wandel nicht günstig sind, sagt der Transformationsforscher Merkel im Interview mit tagesschau.de. »Der Diktator ist gestürzt, ob der Sturz in eine Demokratie mündet, ist ungewiss.« Mit Blick auf Tunesien und Ägypten mag er auch nicht von einer Demokratisierungswelle in Nordafrika sprechen. »Zwei Schwalben machen noch keinen Frühling.«

Schon damals habe ich mich gewundert, woher denn Wolfgang Merkel seine Kenntnisse über die arabische Welt hat, dass er sich traut als Experte für die politischen Verhältnisse dort aufzutreten. Kann er überhaupt Arabisch? Das würde ich von einem Nahost-Experten doch erwarten. Aber wahrscheinlich reicht es ihm, dass er zu den Transformationsprozessen im ehemaligen Ostblock geforscht hat (er scheint ein echtes Sprachgenie zu sein), um sich nun auch als Experte für die arabische Welt zu präsentieren.

Abdankung des Rechtsstaats

Verfasst von Meneteqel am 9. Dezember 2010 - 12:12

Ich gebe ja zu, dass ich anfangs nicht wusste, was ich von der Veröffentlichung von Diplomaten-Depeschen durch WikiLeaks halten sollte. Aber die Reaktionen darauf sind zum Teil so ungeheuerlich, dass es inzwischen gleichgültig ist, ob diese Veröffentlichung legal oder illegal, legitim oder illegitim ist. Denjenigen, die Julian Assange zu einem gefährlichen Terroristen stempeln und die Konten von WikiLeaks und seiner Unterstützer sperren, war es von Anfang an gleichgültig. Denn sie haben gar nicht erst gewartet, bis ein Gericht über die Rechtmäßigkeit der WikiLeaks-Veröffentlichungen entschieden hat.

Heute ist auf Spiegel Online ein sehr lesenswerter Kommentar von Konrad Lischka erschienen: Im Zweifel für die Meinungsfeigheit.

Die Frage in den USA ist: Schützt die Verfassung des Landes auch umstrittene Veröffentlichungen? Es ist zu hoffen, dass im WikiLeaks-Streit ein Gericht diese Frage klärt – statt wie jetzt Unternehmen, die Beschlüsse auf Basis der erwarteten öffentlichen Meinung und des Konfliktpotentials mit Politikern treffen

Aktuell wird im Bundesjustizministerium der dritte Korb der Novellierung des Urheberrechts vorbereitet. Darin soll es insbesondere um die Schranken des Urheberrechts für Bildung und Wissenschaft gehen. Es handelt sich um einen Gesetzgebungsprozess, der uns als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler direkt angeht. Der zweite Korb der Urheberrechtsreform hat zum Beispiel dazu geführt, dass die Preise für den Dokumentenversand per Subito erheblich gestiegen sind.

Inhalt abgleichen
Drupal theme by Kiwi Themes.