Georges Brassens’ 100. Geburtstag

Heute vor 100 Jahren wurde im südfranzösischen Séte Georges Brassens geboren. Ich habe ihn kennengelernt, als ich als Schüler im Sprachlabor ein Lied von ihm gehört und transkribiert habe: La mauvaise herbe. Zuhause habe ich es später auf Gitarre geübt und nachgespielt. Es gehört immer noch zu meinen Lieblingsliedern.

Der Deutschlandfunk widmet ihm ein Kalenderblatt von Karl Lippegaus: Georges Brassens – mehr als ein Minnesänger der modernen Zeit.

Der Anarchist, Antimilitarist und antiklerikale Brassens strahlt Integrität aus, er wirkt weise und human. Das Chanson „Le Pluriel“ (Der Plural) ist die Unabhängigkeitserklärung eines Minnesängers der modernen Zeiten.

Die französische Online-Zeitung Mediapart hat seinem 100. Geburtstag bereits im Sommer ein ausführliches und kritisches Dossier von Antoine Perraud gewidmet: Brassens beim Wort genommen. Es macht deutlich, wie sperrig der Nonkonformist Brassens gerade für unsere Zeit ist – mit seiner Idealisierung des Mittelalters und seinem Frauenbild. Perraud weist auf sein fehlendes politisches Engagement hin und zeigt, wie sehr Brassens’ Anarchismus und sein Antiklerikalismus im Katholizismus verwurzelt sind. Eines ist klar: Brassens lässt sich heute genauso wenig vereinnahmen wie zu seinen Lebzeiten.

Brassens ist nun schon fast 40 Jahre tot. Seine Lieder sind immer noch quicklebendig. Dass dies auch für Menschen gilt, die erst nach ihm geboren wurden, zeigt diese schöne Interpretation eines Liedes, dass Brassens einst für seine estnische Lebensgefährtin Joha Heyman geschrieben hat, die er liebevoll „Püppchen“ nannte:

Das Zeitzechen im WDR erinnert stattdessen an den 950. Geburtstag von Wilhelm IX. von Aquitanien, der als der erste Troubadour gilt: 22. Oktober 1071 – Wilhelm IX. von Aquitanien wird geboren. Was für ein schöner Zufall, dass Brassens, der als Troubadour des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird, am selben Tag Geburtstag hat wie der erste Troubadour überhaupt.

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