“Ways to Gain From Global Pain”

“A Private Note to Hedge-Fund Clients Gives a Strategist’s View; Ways to Gain From Global Pain” – so lautet der Untertitel eines Artikels im Wall Street Journal, auf den die NachDenkSeiten aufmerksam machen. Darin fassen die beiden Autorinnen Susan Pulliam und Liz Rappaport einen Bericht der Strategie-Abteilung von Goldman Sachs zusammen, der Hedge-Funds erklärt, wie sie aus der Finanzkrise in Europa Gewinn ziehen können.

»Wie kann ich aus dem globalen Leid Profit ziehen« – so offen wird das in deutschen Medien selten gesagt. Statt dessen werden die Einschätzungen und Empfehlungen von Großbanken, Rating-Agenturen und Finanzinvestoren mit einer Ehrfurcht zitiert, als handele es sich um ex cathedra ausgesprochene Glaubenssätze. OK, der Vergleich hinkt, schließlich glaubt in Deutschland kaum jemand an die päpstliche Unfehlbarkeit, aber die Ausagen der Finanzlobby werden trotz vielfältiger empirischer Widerlegung zumindest von den deutschen Mainstream-Medien offensichtlich als unfehlbar angesehen. Dabei sind sie vor allem erst einmal interessegeleitet – eben von dem Interesse: »Wie kann ich aus dem globalen Leid Profit ziehen?«

Wenn die Rating-Agentur Standard & Poors verkündet, sie würde Euro-Bonds »mit dem Rating des schwächsten Mitgliedslandes bewerten, also Ramschstatus«, dann bedeutet das noch lange nicht, dass Euro-Bonds eine schlechte Idee sind, sondern nur, dass eine Rating-Agentur meint, sie seien schlecht für die Gewinne der Finanzindustrie.

Überhaupt stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass dieselben Rating-Agenturen, die mit ihren Super-Ratings für windige Kredit-Derivate (die heute schlicht als »toxisch« bezeichnet werden) die Finanzmarktkrise mitverschuldet haben, nun über die Kreditwürdigkeit von Staaten entscheiden dürfen, die sich wegen Finanzmarktkrise und Bankenrettung überschuldet haben. Und warum werden diese Rating-Agenturen immer noch so ernst genommen?

Das ist auch der Grund, warum es nie dazu kommen wird, dass die Finanzindustrie ernsthaft an den Kosten beteiligt wird, die die Bankenrettung verursacht hat. Denn bei jeder Maßnahme, die die Banken wirksam an den Kosten beteiligen oder gar die Macht der Finanzindustrie einschränken würde, gäbe es sicher genug Rating-Agenturen, »Analysten«, Banker und Finanz-»Experten«, die behaupten würden, dass diese Maßnahme verheerende Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft hätte. Bei der Glaubwürdigkeit, die sie in den Mainstream-Medien besitzen, müssten sie für diese Behauptung noch nicht einmal Argumente finden.

Kategorien: Neoliberalismus

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