Griechisches DejaVu

Die Zahl der frei verfügbaren Schriftarten für klassisches und biblisches Griechisch ist inzwischen schon recht groß. Nur an serifenlosen Schriften, die auch am Bildschirm gut lesbar sind und sich deshalb z. B. für Internetseiten eignen, mangelt es noch. Jetzt ist eine dazu gekommen.

Dan 5,7 in der DejaVu Sans

Die Schriftart heißt DejaVu. Und der Name ist Programm. Irgendwie hat man sie schon gesehen. Kein Wunder. Denn sie basiert auf der Bitstream Vera, die selbst wiederum die kostenlose Variante zur Bitstream Prima ist. Noch dazu kann die serifenlose Variante, die Prima/Vera/DejaVu Sans, eine Ähnlichkeit zur populären Verdana nicht verleugnen, was jedoch daran liegt, dass alle diese Schriftarten die Frutiger zum Vorbild haben, wobei sich die Prima/Vera/DejaVu sogar noch enger an dieses Vorbild hält. Noch dazu ist die Frutiger einer der einflussreichsten und am häufigsten kopierten Schriftentwürfe überhaupt. Erst jüngst ist Microsoft mit dem Versuch gescheitert, sich das Design der Segoe, einer besonders exakten Kopie der Frutiger, als geistiges Eigentum schützen zu lassen.

Die Vera hat Bitstream für das Gnome-Projekt unter einer sehr großzügigen Lizenz zur Verfügung gestellt, die es nicht nur erlaubt, die Schriftart kostenlos weiterzugeben, sondern sie auch zu verändern und zu erweitern, sofern man das Ergebnis unter einem anderen Namen veröffentlicht.

Das war auch dringend nötig. Denn so gut die Vera auch sein mag, hat sie doch einige Macken. So beschränkt sich ihr Zeichenumfang auf das, was für westeuropäische Sprachen nötig ist. Außerdem gibt es keine echten Kursiv-Schnitte, sondern nur schräg gestellte Zeichen für die serifenlosen Varianten und gar nichts für die Variante mit Serifen.

Deshalb sind schnell verschiedene Projekte entstanden, die sich darum bemüht haben, diese Mankos zu beseitigen. Inzwischen laufen alle diese Bemühungen im DejaVu-Projekt zusammen. Seit Anfang 2006 bietet die DejaVu neben umfangreichen lateinischen Sonderzeichen, der internationalen Lautschrift IPA und dem kyrillischen Alphabet auch den vollständigen griechischen Zeichensatz einschließlich der für klassisches „polytonisches“ Griechisch nötigen Akzente und Sonderzeichen.

Charakteristik

Anders als die lateinischen Lettern sind die griechischen Zeichen der DejaVu Sans alles andere als ein Dejavu. Sie unterscheiden sich deutlich von den griechischen Zeichen der Verdana und der Frutiger Linotype (abgesehen davon, dass diese beiden Schriften nur für monotonisches Griechisch geeignet sind). Unterschiede gibt es auch zur Arev Sans, einer anderen Schriftart, die die Bitstream Vera um griechische Zeichen erweitert. Gegenüber anderen mir bekannten griechischen Schriftarten erweist sich die DejaVu Sans ebenfalls als eigenständiger Entwurf. Offensichtlich hat Ben Laenen, der im DejaVu-Projekt für Griechisch zuständig ist, die griechischen Zeichen auf der Basis der lateinischen Lettern neu entworfen. Im Vergleich zu Verdana oder Frutiger Linotype z. B. fällt auf, dass die griechischen Zeichen der DejaVu Sans sehr viel „runder“ sind.

Verdana und DejaVu Sans im Vergleich

Diese rundere Form macht Zeichen nicht nur gefälliger, sie kommt auch der Lesbarkeit zugute. Erstens ist die Verwechslungsgefahr geringer. So unterscheidet sich das griechische „ν“ (ny) deutlich vom lateinischen „v“. Das kleine Alpha ist nicht nur weniger plump, sondern auch deutlicher vom Omikron unterschieden. Zweitens unterstützen die runden Schwünge die waagerechte Leserichtung, während in der Verdana eindeutig die Senkrechte betont wird. Das verbessert die Zeilenführung und die Bildung von Wortbildern.

Das einzige, was mir nicht so gut gefällt, ist die Gestaltung des Zirkumflex in Form einer Tilde. Ein einfacher Bogen würde nicht nur besser zur Schriftart passen, sondern auch die Lesbarkeit bei sehr kleinen Schriftgrößen verbessern.

Umfang/Ausbau

Die DejaVu ist eine umfangreiche Schriftfamilie. Neben der serifenlosen DejaVu Sans gibt es noch die DejaVu Serif mit Serifen, beide noch zusätzlich als „Condensed“ mit etwas schmaleren Buchstaben, und schließlich die DejaVu Sans Mono als Monospaced-Schrift mit fester Zeichenbreite.

Alle diese Schriftarten gibt es in den üblichen vier Schnitten. Leider haben sie anstelle einer echten Kursiven, nur eine schräg gestellte „oblique“ Variante. Bei der DejaVu Serif gibt es zwar bereits Ansätze, die Oblique zu einer echten Kursiven umzuwandeln, aber die sind bislang nichts Halbes und nichts Ganzes.

DejaVu Sans Varianten

Inzwischen wird die DejaVu um ostasiatische Schriftsysteme erweitert, wodurch die einzelnen Schriftdateien sehr groß werden. Deshalb gibt es jetzt zusätzlich eine „LGC“-Variante, die sich auf lateinische (L), griechische (G) und kyrillische © Buchstaben beschränkt.

Die DejaVu in der Praxis

Eine Schriftart für klassisches Griechisch im modernen Gewand einer Serifenlosen mag manch einem suspekt erscheinen. Aber am Bildschirm sind Schriften ohne Serifen eindeutig besser zu lesen. Deshalb bietet sich die DejaVu Sans vor allem als Referenzschriftart für griechische Texte im Internet an, die sich jeder kostenlos herunterladen kann. Aber auch für Vortrags-Folien dürfte sie eine interessante Alternative sein.
Downloads

(Geschrieben für das Biblische Forum, unter der Originaladresse http://www.bibfor.de/?p=8 nicht mehr verfügbar)

Kategorien: Fonts, Unicode

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