Stefano Rodotà zum Urheberrecht in der digitalen Welt

Stefano Rodotà, italienischer Politiker und Jurist, langjähriger Präsident der italienischen Datenschutzbehörde, schreibt in der Repubblica vom 30. September 2012 über das, was vom Eigentum bleibt in der digitalen Welt. Während in Deutschland sich viele wortreich darüber beklagen, dass das »geistige Eigentum« in der digitalen Welt nicht mehr respektiert wird, weist Rodotà darauf hin, dass es genau umgekehrt ist: Das »geistige Eigentum« schränkt die Rechte derjenigen, die digitale Bücher, Musikstücke oder Filme legal erwerben, viel stärker ein als in der analogen Welt.

Während es für Bücher, Schallplatten, Videocassetten und selbst noch für CDs und DVDs selbstverständlich ist, dass ich sie ausleihen, verschenken und vererben kann, erwerbe ich für digitale Musikstücke, Filme oder E-Books nur eine Nutzungslizenz. Dazu muss ich eine unzählige Seiten lange Lizenzvereinbarung akzeptieren, die mir genau all das verbietet, was mit analogen Medien noch völlig selbstverständlich war. Dank »digitalem Rechte-Management« (DRM) können auch solche Nutzungsformen unterbunden werden, die rein rechtlich völlig in Ordnung wären, wenn nicht bereits das Umgehen von DRM-Techniken strafbar wäre.

Kein Schutz des Urheberrechts rechtfertigt es, dass globale Firmen wie Apple und Amazon die Nutzung digitaler Werke an beliebige und zum Teil willkürliche Nutzungsbedingungen binden, die dann qua DRM auch rechtlich geschützt werden. In der digitalen Welt wird das Urheberrecht für Zwecke missbraucht, für die es nie gedacht war. Während digitale Werke durch die Loslösung von materiellen Datenträgern (wie CD und DVD) zu öffentlichen Gütern im Sinne der Nicht-Rivalität und Nicht-Ausschließlichkeit geworden sind, wird ihre Nutzung stärker eingeschränkt, als es in der analogen Welt jemals der Fall war. Die absurdesten Beispiele für dieses Phänomen gibt es in Deutschland im Bereich von Bildung und Forschung, wo zum Beispiel die Regeln für den Versand digitaler Kopien so kompliziert sind, dass die Bibliotheken lieber Papierkopien verschicken. Statt dessen müsste das Urheberrecht so neu gestaltet werden, dass sich die Potentiale der Digitalisierung zum Wohle von Urhebern und Nutzern entfalten können.

È indispensabile ripensare, come già si sta facendo, un diritto d’autore che negli ultimi tempi è stato esteso addirittura ad aree alle quali era stato estraneo. La conoscenza si configura sempre più chiaramente e largamente come un “bene pubblico globale”, che non può essere chiuso in angusti recinti proprietari.
(Stefano Rodotà: Cosa resta della proprietà nel mondo digitale)

Kategorien: Urheberrecht

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