Soziale Ungleichheit

Diese Woche in der Zeit

Eigentlich habe ich mein Zeit-Abo nicht nur deshalb zum Jahresende gekündigt, weil ich kaum noch dazu komme, sie zu lesen, sondern auch deshalb, weil ich in letzter Zeit immer öfter einfach abgrundtief schlechte Artikel darin gelesen habe.

Diese Woche ist es anders. Gleich beim ersten Durchblättern habe ich eine Reihe lesenswerter Artikel entdeckt:

Die Bundesregierung »modernisiert« das Zwangsvollstreckungsrecht

Seit Jahren nimmt die Vermögensungleichheit in Deutschland zu. Laut DIW ist im Zeitraum zwischen 2002 und 2007 der Anteil der reichsten 10 % am Gesamtvermögen weiter gestiegen, während die Anteile aller anderen Gruppen gleich blieben oder gesunken sind. Zur gleichen Zeit ist die Verschuldung der ärmsten 10 % weiter gestiegen.

Und wie reagiert unsere Bundesregierung darauf? Sie verschärft das Zwangsvollstreckungsrecht.

Noch mehr Umverteilung

Am 3. November 2006 habe ich an dieser Stelle einen unseligen Kommentar von Klaus-Peter Schmid in der Zeit kommentiert. Nun, da die von der großen Koalition geplante Unternehmenssteuerreform Gestalt annimmt, wird klar, dass das Ausmaß an Umverteilung, das auf uns zukommt, noch viel größer ist, als ich damals befürchtet habe.

Einen hervorragenden Kommentar zu diesen Plänen hat Lucas Zeise in der Financial Times Deutschland geschrieben – mit dem Fazit:

Die Senkung der Unternehmenssteuern ist nicht einfach ein nettes Geschenk, sondern gesellschaftsschädlich.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Umverteilung

In der gestrigen Ausgabe der Zeit (2. November 2006, S. 23) setzt sich Klaus-Peter Schmid in einer Kolumne mit dem Untertitel „Sprudelnde Steuern sind kein Argument für Umverteilung“ dagegen ein, dass die zusätzlichen Steuereinnahmen für „soziale Wohltaten“ verwendet werden.

In einem gewissen Sinne hat Schmid ja recht: Sprudelnde Steuern sind kein Argument für Umverteilung. Nur geschieht eben genau das – allerdings in die entgegengesetzte Richtung: von den Lohnabhängigen zu den Kapitalbesitzern.

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