Erinnerung an Charlie Haden

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich Charlie Haden zum ersten Mal live gesehen und gehört haben. Es war 1980 beim New Jazz Festival in Moers. Die letzte Gruppe am ersten Abend war Old and New Dreams mit Don Cherry, Dewey Redman, Ed Blackwell und eben Charlie Haden. Dieses Konzert werde ich nie vergessen. Die Gruppen vorher waren mir viel zu akademisch und eher langweilig. Aber was die vier spielten, war zwar total schräger Jazz, doch er erreichte genau das, was damals im Trend war: Jazz wieder tanzbar zu machen.

Das lag natürlich vor allem an der Rhythmusgruppe: Ich habe selten einen so polyrhythmischen Schlagzeuger wie Ed Blackwell gehört, der auf seinem Schlagzeug immer mehrere Rhythmen auf einmal spielte, ohne dass der Grund-Beat verloren ging. Charlie Haden tanzte mit seinen Fingern über den Bass, melodisch und rhythmisch zugleich, als erzählte er richtige Geschichten. Und an diesem Abend swingte er auch so sehr, dass es mich nicht auf den Sitzen hielt.

Diese Aufzeichnung eines Konzerts aus etwa der gleichen Zeit gibt die Live-Atmosphäre leider nur unzureichend wieder.

Charlie Haden hat gerne auch im Duett zusammen mit berühmten Gitarristen und Pianisten gespielt: zum Beispiel mit Kenny Barron, Egberto Gismonti und Pat Metheny.

Auf seiner letzten CD, die erst in diesem Jahr erschienen ist, spielt er zusammen mit Keith Jarrett. Unter anderem spielen sie “Every time we say good-bye I die a little”. Das klingt so traurig und schön zugleich.

Das Jazzfestival in Montreal hat ihn 1989 jeden Abend auftreten lassen, immer mit anderen Musikern, immer völlig andere Musik. An dem Abend, an dem er mit Don Cherry und Ed Blackwell spielt, sagt er am Ende: “I’m in heaven, every night!” Wer weiß, ob er nicht tatsächlich jetzt im Himmel die Finger über seinen Bass tanzen lässt.

Kategorien: Musik, Jazz

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